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Wolfgang Abendschön's

Zwischentöne


 

 


August 2017

Wir trinken den Himmel aus - Das Musikvideo

Ein Gespräch mit Wolfgang Abendschön und dem Video- und Medienkünstler Haegar (www.haegar.live, u.a. Die Fantastischen Vier/ Herbert Grönemeyer/ 2raumwohnung) über ihr Musikvideo "Wir trinken den Himmel aus" zu dem gleichnamigen Song auf Wolfgang Abendschöns Album "Buntzone".


"Buntzone" ist Dein inzwischen elftes Album. Und zum ersten Mal gibt es mit "Wir trinken den Himmel aus" jetzt auch ein offizielles Musikvideo zu einem Deiner Songs. Warum erst jetzt und nicht schon früher?

Wolfgang Abendschön: Ich will Songs schreiben. Und für mich besteht ein Song aus Text und Musik. Das reicht. Mir liegt am Herzen, dass der Song die Leute berührt. Und da braucht es eigentlich nicht noch ein Video, um ihn zu transportieren. Die Musikvideos sind für mich eine eigenständige Kunstform. Ich habe und hatte überhaupt nichts gegen sie. Und es gibt so toll gemachte. Jetzt hatte ich einfach Lust, das mal auszuprobieren.

Für das Musikbusiness sind die Videos aber doch schon lange ein wichtig gewordenes Marketing-Tool wie Rote Teppiche, Blitzlicht, Champagner und Schnittchen?

Wolfgang Abendschön: Das mag so sein, aber das hat mich nie interessiert. Champagner und Schnittchen mal ausgenommen. (lacht)

Warum das Video mit Haegar?

Wolfgang Abendschön: Ich kannte schon ein paar Arbeiten von ihm, fand vor allem seine "Musikalische Kameraführung" toll. Auch wie er die Stimmung eines Songs "bildgewaltig" umsetzt. Und da habe ich ihn einfach mal in Berlin angerufen.

Was war Dir besonders wichtig?

Wolfgang Abendschön: Zum einen wollte ich atmosphärische Momentaufnahmen, wenn man so will "Musikvideo pur", ein Sänger und seine Band, der Song. Das ganze ohne viel Brimborium, dafür aber mit mächtig Groove auch was die Kameraführung und den Schnitt betrifft. Zum anderen wollte ich, dass diese Momentaufnahmen sich in einer weiteren Ebene mit ganz kleinen Filmsequenzen verdichten, die einen Bezug zur melancholischen Zuversicht des Songtextes haben.
Und die Aesthetics vom Albumteaser der Buntzone-CD, den Haegar ja auch schon gemacht hat, sollten auch im Video stattfinden.

Haegar, wie bist Du das Ganze dann angegangen?

Haegar: Ich wollte Wolfgang und die Band authentisch zeigen, sie "bei der Arbeit" filmen. Gerade auch, was ihren Look angeht: daher ohne extra Styling und Klimbim - einfach in ihrem Proberaum. Der ist in einem Keller unter einer Autowerkstatt in der Karlsruher Oststadt, einem der ganz alten Viertel der Stadt. Mir gefiel die Vorstellung, dass Wolfgang über den Himmel singt, wir uns aber in einem dunklen, räudigen Keller befinden. Daher filmte ich auch Wolfgang und Heidrun noch ergänzend in einer maroden Unterführung, die bald zugeschüttet wird. Die morbide Proberaum-Unterführungs-Ästehtik steht so im schönen, skurrilen Kontrast zur von Wolfgang besungenen Leichtigkeit des Songs und schafft so ein interessantes Spannungsverhältnis, wie ich finde. Die Buntheit steckt dann nicht nur in der Musik und im Text, sondern auch in den Graffitis und Kritzeleien überall an den Wänden des Proberaums sowie der Unterführung.

Du hast dabei so etwas wie eine neue Bildsprache gekreiert?

Haegar: Ich wollte viel Bewegung. Beim Drehen habe ich mich stundenlang um die Musiker bewegt - bin regelrecht mit Wolfgang im Kreis um sie gerannt. Diese hohe Dynamik habe ich durch schnelle Schnitte verstärkt und zum Schluss alles noch kräftig eingefärbt, kontrastiert und gefiltert. Die entstandene Rauheit des Bildes wollte ich dann wieder brechen: durch das überdimensionale Einblenden von Typografie sowie den Grafiken und kleiner Filmsequenzen - hier habe ich dann doch noch ein paar "himmlische" Bilder einfliegen lassen.

Wolfgang, macht es einen Unterschied, wenn nach einem Konzert oder nach einem Dreh das Licht ausgeht?

Wolfgang Abendschön: Der Applaus, das unmittelbare Feedback des Publikums fehlen natürlich schon nach einem Dreh. Aber nach einem Konzert gehst Du noch was trinken. Und da kann es schon spät werden. Und das haben wir nach dem Dreh auch gemacht. Und da wurde es auch spät. Wäre irgendwie komisch, wenn man nach dem letzten Licht einfach so ins Bett geht. Da halte ich es mit meinem Opa. Der war zwar Beamter, aber nach Dienstende ging er in der Regel erst einmal in aller Ruhe in seine Stammkneipe, bevor er dann entspannt nach Hause zu Frau und Familie ging. Das ist doch eine schöne Tradition. (lacht)

Vielen Dank.
a r a



Wolfgang Abendschön und seine AKZENTE-Band mit Haegar (rechts)
nach dem letzten Licht beim Videodreh zum Song "Wir trinken den Himmel aus"



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